Foren Aktuelles „Angst oder Leben?“ Antwort auf: „Angst oder Leben?“

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AvatarBeatrix Meidl-Kaizik
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Alam alaikum liebe Geschwister!

In letzter Zeit – wo ich persönlich (auch auf meine eigene Empfehlung vom letzten Mal hin!) mit etwas vielleicht offeneren Augen und Ohren und bewusster durch den Alltag gegangen bin, sind mir einige Dinge aufgefallen, deren Auslegung ich gerne mit euch teilen möchte bzw. wo ich euch an meinen Gedanken, die mir so durch den Kopf gingen oder noch immer gehen, teilhaben möchte.

Im Laufe der letzten Wochen der „Krise“ – wie diese Zeit auch gerne bezeichnet wird, sind mir besonders drei Gruppen von Menschen aufgefallen:

Die erste Gruppe sind die besonders Ängstlichen: von den ersten Tagen der Berichterstattung der Medien über den Virus drücken sie ihre Angst klar und deutlich besonders durch ihre Körpersprache aus. Wenn man ihnen auf der Straße begegnet, machen sie einen weiten Bogen um den Anderen; manchmal seufzen sie laut oder resignierend, so als wäre es fast unverschämt, dass man selbst gerade unterwegs ist, wo doch SIE jetzt gerade im Freien sind. Es sind aber auch die Menschen, die zum Teil mehr oder weniger eine gewisse Aggression ausstrahlen. Da z.B. ich persönlich Pollenallergikerin bin und daher auch gerade jetzt unter Husten und anderen Symptomen leide, habe ich von Anfang an einen Mundschutz getragen, um so weit als möglilch niemanden zu belästigen. Trotzdem konnte ich mir immer wieder sogar Beschimpfungen anhören – was ich denn eigentlich glaube, um mich nach draußen zu trauen, wo ich doch offensichtlilch Corona habe. Verbale Äußerungen habe ich immer nur von dieser Gruppe von Menschen gehört. Für mich heißt das, dass es einen Zusammenhang zwischen Angst und daraus relultierender Aggression gibt. Achtung, dachte ich bei mir – auch du bist manchmal wegen manchen Dingen ängstlich – wie benimmst du dich dann – wie gehst du dann mit deinen Mitmenschen um?

Die zweite Gruppe besteht aus denjenigen, die die Vorsichtsmaßnahmen der Regierung mehr oder weniger emotionslos zur Kenntnis nehmen und sich daran konsequent halten – nicht mehr und nicht weniger. Sie erwarten zwar vom anderen gleiches Verhalten, beachten die Mitmenschen aber kaum und sind eigentlich in sich isoliert. Meistens wirken sie so, als sehen sie niemanden anderen und wollen das auch gar nicht. Nach dem Motto: lasst mich einfach in Ruhe. Kümmert euch um euch selbst! Sie zeigen weder Angst noch Aggression, am ehesten vielleicht eine Akzeptanz der Situation oder Resignation. Meines Empfindens nach kommen aus dieser Gruppe auch die wenigsten, die sich um Leute, die vielleicht gerade jetzt Hilfe brauchen, kümmern würden. Jeder muss es alleine schaffen, jeder muss da alleine durch.

Und dann gibt es die dritte Gruppe – die Ignoranten. Ihnen ist es schlichtweg egal, was da gerade passiert. Sie halten keinen Abstand und kümmern sich weder um irgendwelche Empfehlungen noch um irgendwelche Vorsichtsmaßnahmen. Ganz im Gegenteil – sie machen sich sogar über die anderen lustig. Ihr Verhalten ist rein provokativ. Es gibt nicht so viele, aber man sieht sie leider immer wieder. Als besonders traurig empfinde ich persönlich, wenn diese Menschen mit ihren kleinen Kindern zum einkaufen gehen. (warum nicht? Natürlich kann, soll oder muss man Kinder – weil alleinerziehend –  zum Einkaufen mitnehmen! Meine Anmerkung). Aber ich finde es nicht richtig, diese dann unbeaufsichtigt herumlaufen zu lassen, neben anderen Käufern stehen zu lassen, alles auch Unverpackte anfassen zu lassen,…ohne ihnen irgendetwas über Rücksichtnahme erklärt zu haben. So kann leider schon jetzt eine Generation heranwachsen, die sich später wohl kaum oder nur wenig über die Gefühle anderer kümmern wird. Leider sehe ich viel von diesem Verhaltens bei Muslimen. (was mich persönlich wieder besonders stört, weil dieses Fehlverhalten wieder ein Punkt mehr für die sogenannte „Islamphobie“ ist. Ich denke, gerade in „Ausnahmesituationen“ sollten wir als Muslime mit besonderem Vorbild vorausgehen! Was jetzt aber nicht heißen soll – dass ich wirklich voller Stolz auch viele vorbildliche Geschwister gesehen habe, die auf viele Arten und Weisen anderen helfen!)

Was man eigentlich weiß, meine Lieben, aber was man in „normalen Zeiten“ kaum beachtet – weil die Zeit einfach viel „schneller“ läuft, ist – dass gerade in besonderen Zeiten der Charakter, die Wesensmerkmale, das Verhalten der Menschen viel stärker zum Ausdruck kommt und nach außen dringt.

Wie seht ihr das eigentlich? Ist euch in dieser Hinsicht auch etwas aufgefallen? Mich würden eure Beobachtungen wirklich interessieren!

Denn – wann, liebe Geschwister – wann kann man lernen – durch andere rückschließend auf sich selber – wenn nicht in Zeiten – wo wir gezwungen werden, leiser zu treten; wo wir unser Leben, wenn auch nur für einige Zeit, ändern bzw. an die ungewohnte neue Situation anpassen müssen, wenn das Leben einfach „langsamer“ läuft? (zumindest für viele!) Wann – wenn nicht jetzt – können wir vielleicht unsere „kleinen“ Fehler oder Fehlverhalten erkennen – mit Hilfe unserer Mitmenschen? Denn bekanntlich sieht man ja Dinge bei anderen viel schneller und kritischer als bei sich selbst! Was für eine Gelegenheit haben wir jetzt bekommen?! Alhamdulillah! Wie schön ist es, aus einer an sich schrecklichen Sache auch etwas Gutes zu erhalten und zu erkennen!? Eine Zeit der Erkenntnis, der inneren „Rechtrückung“ des vielleicht etwas ungerade gewordenen eigenen Weges, der geistigen „Inspiration“. Andere Menschen zu beobachten – nicht um sie zu kritisieren und vielleicht sogar zu verachten – nein – sondern um sich selber erkennen zu können, um sich selber die Chance zu geben, es vielleicht bewusster anders zu machen. Was für eine einmalige großartige Gelegenheit wir haben! Gott sei Dank!

Ich für meine Seite spüre eine Wärme und Dankbarkeit auch in dieser Zeit einer nach außen verstandenen „Isolation“ – ein Wort, das eigentlich oft nur negativ verstanden wird – lasst uns die Gelegenheit nutzen, uns endlich persönlich mit liebevollem, aber kritischem Blick kennenzulernen!

In diesem Sinne:“Bad things in life open your eyes to those things your weren`t paying much attention to before“

Oh Allah, stärke uns mit Zuversicht und Vertrauen auf Deine Barmherzigkeit. Amin.

Liebe Geschwister – lasst von euch hören … wie es euch geht und lasst uns an euren Gedanken teilnehmen ….bleibt gesund und Allahs Schutz und Segen an Alle

Beatrix Meidl